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48-Stunden-Woche: Wie viele Stunden darf man pro Woche arbeiten?

Das Arbeitszeitgesetz kennt eigentlich keine Wochengrenze – es rechnet in Werktagen. Die „48-Stunden-Woche“ ergibt sich erst aus acht Stunden mal sechs Werktagen, und sie ist ein Durchschnitt, kein Deckel für jede einzelne Woche. Dieser Beitrag erklärt, wie viel in einer Woche zulässig ist, wie der Ausgleichszeitraum rechnet, wo die EU-Richtlinie strenger ist und warum sich der Durchschnitt ohne lückenlose Zeiterfassung nicht belegen lässt.

Von Dr. Katharina Müller · 26. September 2026 · Quellen am Seitenende

Kurz beantwortet: In Deutschland dürfen Beschäftigte im Durchschnitt höchstens 48 Stunden pro Woche arbeiten. Grundlage ist § 3 des Arbeitszeitgesetzes: acht Stunden je Werktag, und Werktage sind Montag bis Samstag – sechs mal acht ergibt 48. Vorübergehend sind bis zu zehn Stunden täglich und damit bis zu 60 Stunden pro Woche erlaubt, wenn der Durchschnitt innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen wieder bei acht Stunden je Werktag liegt. Arbeitszeiten aus mehreren Jobs werden zusammengerechnet (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Für Jugendliche gilt eine Grenze von 40 Stunden, für Schwangere und Stillende von 90 Stunden in der Doppelwoche. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG begrenzt ebenfalls auf durchschnittlich 48 Stunden einschließlich Überstunden, sieht aber einen Bezugszeitraum von höchstens vier Monaten vor. Verstöße kosten den Arbeitgeber bis zu 30.000 Euro Bußgeld (§ 22 ArbZG). Ein Referentenentwurf vom Juni 2026 zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit ist kein geltendes Recht.

Die Werktage-Logik: warum aus acht Stunden 48 werden

§ 3 Satz 1 ArbZG lautet sinngemäß: Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten. Eine Wochengrenze steht dort nicht. Sie folgt aus dem Begriff „Werktag“: Werktage sind alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind, also regulär Montag bis Samstag. Sechs Werktage mit je acht Stunden ergeben die bekannte Zahl von 48 Wochenstunden.

Daraus folgen zwei Punkte, die in der Praxis oft übersehen werden. Erstens darf der Samstag für die Rechnung genutzt werden, auch wenn im Betrieb nur montags bis freitags gearbeitet wird. Wer in der Fünf-Tage-Woche 48 Stunden verteilen will, kommt auf 9,6 Stunden je Arbeitstag – zulässig, weil der einzelne Tag unter der Zehn-Stunden-Grenze bleibt und der Werktagsdurchschnitt bei acht Stunden liegt. Zweitens ist die 48 ein Durchschnittswert: Einzelne Wochen dürfen darüber liegen, wenn andere darunter liegen.

Nach § 3 Satz 2 ArbZG kann die werktägliche Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Sechs Werktage mit je zehn Stunden ergeben die absolute Wochengrenze von 60 Stunden. Arbeit an Sonn- und Feiertagen verschiebt diese Rechnung nicht zugunsten des Betriebs: § 11 Abs. 2 ArbZG bestimmt, dass auch dann die Höchstarbeitszeiten und Ausgleichszeiträume des § 3 nicht überschritten werden dürfen.

Wochenarbeitszeit nach dem Arbeitszeitgesetz (ohne tarifliche Abweichungen)
GrößeWertRechtsgrundlage
Regelhöchstarbeitszeit je Werktag8 Stunden§ 3 Satz 1 ArbZG
Werktage pro Woche6 (Montag bis Samstag)Werktagsbegriff
Regelgrenze pro Woche48 Stunden (Durchschnitt)§ 3 ArbZG, 8 × 6
Verlängerte Höchstarbeitszeit je Werktag10 Stunden§ 3 Satz 2 ArbZG
Absolute Grenze pro Woche60 Stunden§ 3 Satz 2 ArbZG, 10 × 6
Ausgleichszeitraum6 Kalendermonate oder 24 Wochen§ 3 Satz 2 ArbZG
Ruhezeit nach Arbeitsendemindestens 11 Stunden§ 5 Abs. 1 ArbZG
Aufzeichnung über 8 Stunden hinausPflicht, Aufbewahrung mindestens 2 Jahre§ 16 Abs. 2 ArbZG

Pausen zählen nicht zur Arbeitszeit (§ 2 Abs. 1 ArbZG). Wer von 7 bis 17 Uhr im Betrieb ist und 45 Minuten Pause macht, hat 9,25 Stunden gearbeitet. Wie Pausen und Ruhezeiten im Einzelnen geregelt sind, fasst die Seite Rechtslage zusammen.

EU-Arbeitszeitrichtlinie: dieselbe Zahl, ein anderer Maßstab

Die 48 Stunden stammen nicht nur aus dem deutschen Recht. Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88/EG verpflichtet die Mitgliedstaaten sicherzustellen, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Siebentageszeitraum 48 Stunden einschließlich der Überstunden nicht überschreitet. Anders als das Arbeitszeitgesetz rechnet die Richtlinie also direkt in Wochen und kennt keine tägliche Höchstarbeitszeit; begrenzt wird der Arbeitstag dort über die tägliche Mindestruhezeit von elf Stunden (Art. 3) und die wöchentliche Ruhezeit von 24 plus elf Stunden (Art. 5).

Der zweite Unterschied betrifft den Zeitraum, über den gemittelt wird. Nach Art. 16 Buchst. b der Richtlinie dürfen die Mitgliedstaaten für die Wochengrenze einen Bezugszeitraum von bis zu vier Monaten vorsehen. Längere Zeiträume sind nur über die Abweichungsvorschriften möglich: bis zu sechs Monate in bestimmten Tätigkeitsbereichen und, per Tarifvertrag, bis zu zwölf Monate (Art. 19). Zudem bleiben bezahlter Jahresurlaub und Krankheitszeiten bei der Durchschnittsberechnung unberücksichtigt oder sind neutral zu behandeln.

Deutsches Recht und EU-Richtlinie im Vergleich (Stand 26. September 2026)
PunktArbeitszeitgesetzRichtlinie 2003/88/EG
BezugsgrößeWerktag (8 h, verlängerbar auf 10 h)Siebentageszeitraum (Ø 48 h inkl. Überstunden)
Tägliche Höchstgrenze10 Stundenkeine; stattdessen 11 h Ruhezeit
Ausgleichs- bzw. Bezugszeitraum6 Kalendermonate oder 24 Wochenbis 4 Monate; Abweichungen bis 6 bzw. per Tarifvertrag 12 Monate
Tarifliche Öffnunganderer Ausgleichszeitraum, mit Bereitschaftsdienst auch über 10 h (§ 7 ArbZG); dann Ø 48 h in 12 Kalendermonaten (§ 7 Abs. 8)Bezugszeitraum bis 12 Monate (Art. 19)
Individuelle Zustimmung zu mehr als 48 hnur bei Bereitschaftsdienst, schriftlich, mit sechs Monaten widerrufbar (§ 7 Abs. 2a, 7)„Opt-out“ unter Bedingungen (Art. 22)

Die Konsequenz für Betriebe: Wer den sechsmonatigen Ausgleich des Arbeitszeitgesetzes voll ausschöpft, bewegt sich außerhalb des Vier-Monats-Rahmens, den die Richtlinie als Regel vorsieht. Genau diese Differenz will der Referentenentwurf vom Juni 2026 schließen (siehe unten). Wer seine Planung heute schon so anlegt, dass der Durchschnitt nach 16 Wochen stimmt, ist für beide Maßstäbe gerüstet.

Rechenbeispiel: der Durchschnitt über 24 Wochen

Ein Handwerksbetrieb plant eine Saisonspitze. Eine Vollzeitkraft arbeitet acht Wochen lang 55 Stunden (fünf Tage zu zehn Stunden plus fünf Stunden am Samstag), danach acht Wochen 44 Stunden und die letzten acht Wochen 40 Stunden. Kein Tag liegt über zehn Stunden, Urlaubs- und Krankheitstage fallen im Beispiel nicht an.

Szenario A: Saisonspitze mit ausreichendem Ausgleich (24-Wochen-Zeitraum)
WochenStunden pro WocheSumme im BlockLaufender Durchschnitt
1–85544055,0 h
9–164435249,5 h
17–244032046,3 h
Gesamt1.11246,3 h ≤ 48 h

Über 24 Wochen gerechnet sind das 1.112 Stunden auf 144 Werktage, also 7,72 Stunden je Werktag – zulässig. Bemerkenswert ist die mittlere Zeile: Nach 16 Wochen liegt der Schnitt noch bei 49,5 Stunden. Unter dem Vier-Monats-Maßstab der Richtlinie wäre dieselbe Planung damit bereits zu diesem Zeitpunkt problematisch gewesen.

Szenario B: zu lange Spitze, zu kurzer Ausgleich
WochenStunden pro WocheSumme im BlockLaufender Durchschnitt
1–125869658,0 h
13–244048049,0 h
Gesamt1.17649,0 h > 48 h

Hier fehlen am Ende 24 Stunden Ausgleich (1.176 minus 24 × 48 = 1.152). Jede einzelne Woche war für sich zulässig, weil keine 60 Stunden überschritten wurden – der Verstoß entsteht erst in der Summe. Genau deshalb reicht es nicht, Wochenlisten abzuheften: Ob § 3 ArbZG eingehalten ist, zeigt nur eine Auswertung über den gesamten Ausgleichszeitraum.

Was die Rechnung braucht

Für jede Person tägliche Ist-Zeiten ohne Pausen, eine eindeutige Festlegung, ob sechs Kalendermonate oder 24 Wochen gelten und wann der Zeitraum beginnt, eine Regel für Urlaub, Krankheit und Feiertage – und alle Beschäftigungsverhältnisse der Person, nicht nur das eigene.

Mehrere Jobs: die Grenze gilt für die Person

§ 2 Abs. 1 ArbZG ordnet ausdrücklich an, dass Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern zusammenzurechnen sind. Wer in Vollzeit 40 Stunden arbeitet, hat für einen Minijob oder eine zweite Teilzeitstelle im Regelfall nur noch acht Wochenstunden Spielraum, vorübergehend mehr, sofern der Ausgleich über den gesamten Zeitraum gelingt. Die Ruhezeit von elf Stunden gilt ebenfalls übergreifend: Endet die Abendschicht im Nebenjob um 23 Uhr, beginnt der Hauptjob frühestens um 10 Uhr.

Verantwortlich ist jeder Arbeitgeber für die bei ihm geleistete Arbeitszeit, bemessen an der Gesamtbelastung. In der Praxis bedeutet das: Nebentätigkeiten müssen dem Arbeitgeber bekannt sein, soweit sie für den Arbeitszeitschutz relevant sind, und das Zeitsystem sollte die vereinbarten Nebenjobstunden als feste Größe berücksichtigen. Die tatsächliche Kontrolle ist hier begrenzt – umso wichtiger ist eine klare Regel im Arbeitsvertrag.

Sonderregeln: Jugendliche, Schwangere, Tarifverträge

Abweichende Wochengrenzen im Überblick
PersonengruppeGrenzeRechtsgrundlage
Jugendliche (unter 18)8 h täglich, 40 h wöchentlich, höchstens 5 Tage pro Woche; 8,5 h an einzelnen Tagen, wenn andere Tage derselben Woche kürzer sind§ 8 Abs. 1 und 2a, § 15 JArbSchG
Schwangere und Stillende ab 188,5 h täglich, 90 h in der Doppelwoche (Sonntage eingerechnet)§ 4 Abs. 1 MuSchG
Schwangere und Stillende unter 188 h täglich, 80 h in der Doppelwoche§ 4 Abs. 1 MuSchG
Tarifliche Regelungen mit Bereitschaftsdienstüber 10 h täglich möglich, dann Ø 48 h in 12 Kalendermonaten§ 7 Abs. 1 Nr. 1a, Abs. 8 ArbZG
Notfälle und außergewöhnliche FälleAbweichung erlaubt, aber Ø 48 h in 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen§ 14 Abs. 1–3 ArbZG

Für Schwangere und Stillende gilt zusätzlich, dass sie nicht über die vertraglich vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit im Monatsdurchschnitt hinaus beschäftigt werden dürfen; auch hier werden mehrere Arbeitgeber zusammengerechnet (§ 4 Abs. 1 MuSchG). Mehrarbeit Jugendlicher, die nach § 21 JArbSchG in Notfällen zulässig ist, muss innerhalb von drei Wochen ausgeglichen werden.

Übliche Wochenarbeitszeit: gesetzliche Grenze ist nicht Vertragsstunden

Die 48 Stunden sind eine Schutzgrenze, keine Arbeitspflicht. Wie viele Stunden jemand schuldet, regeln Arbeitsvertrag und gegebenenfalls Tarifvertrag. Tatsächlich liegt die übliche Wochenarbeitszeit deutlich unter der gesetzlichen Grenze: Nach Erstergebnissen des Mikrozensus arbeiteten Vollzeitbeschäftigte 2025 normalerweise durchschnittlich 39,9 Stunden pro Woche, Teilzeitbeschäftigte 21,3 Stunden; über alle abhängig Beschäftigten ergibt das 34,0 Stunden (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 27. Mai 2026). Zehn Jahre zuvor lag der Vollzeitwert bei 40,5 Stunden.

Relevant wird die gesetzliche Grenze deshalb vor allem bei Überstunden, Saisonspitzen, Schichtbetrieben und Mehrfachbeschäftigung. Wie sich Mehrstunden auf ein Stundenkonto buchen und wieder abbauen lassen, beschreibt der Beitrag Überstunden und Stundenkonto digital führen. Wichtig ist die Unterscheidung: Das Stundenkonto misst Abweichungen von der Vertragsarbeitszeit, der Ausgleichszeitraum des § 3 ArbZG misst Abweichungen von der gesetzlichen Grenze. Ein ausgeglichenes Stundenkonto beweist deshalb nicht automatisch, dass der 48-Stunden-Durchschnitt eingehalten wurde.

Bußgeld und Strafe bei Überschreitung

Wer als Arbeitgeber vorsätzlich oder fahrlässig über die Grenzen des § 3 ArbZG hinaus beschäftigt, handelt nach § 22 Abs. 1 Nr. 1 ArbZG ordnungswidrig. Die Geldbuße kann bis zu 30.000 Euro betragen (§ 22 Abs. 2); zuständig sind die Arbeitsschutzbehörden der Länder. Dieselbe Obergrenze gilt, wenn die Aufzeichnungen nach § 16 Abs. 2 ArbZG fehlen, unrichtig sind oder nicht zwei Jahre aufbewahrt werden (§ 22 Abs. 1 Nr. 9).

Zur Straftat wird der Verstoß nach § 23 ArbZG, wenn er vorsätzlich begangen wird und dadurch Gesundheit oder Arbeitskraft gefährdet oder wenn er beharrlich wiederholt wird: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Wird die Gefahr fahrlässig verursacht, drohen bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder bis zu 180 Tagessätze.

Warum der Ausgleich nur digital sauber nachweisbar ist

Die Aufzeichnungspflicht des § 16 Abs. 2 ArbZG erfasst nur die über acht Stunden werktäglich hinausgehende Zeit. Für den Ausgleichszeitraum reicht das nicht: Um zu zeigen, dass der Durchschnitt stimmt, müssen auch die kürzeren Tage belegt sein, denn erst sie gleichen die langen aus. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) sind Arbeitgeber ohnehin verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der gesamten Arbeitszeit zu erfassen; eine bestimmte Form schreibt das geltende Recht nicht vor.

Auf Papier oder in einer Tabelle wird die Rechnung aus dem Beispiel oben schnell unübersichtlich: 24 Wochen, 144 Werktage, pro Person ein eigener Startzeitpunkt, dazu Urlaub, Krankheit und Feiertage. Ein digitales System löst das über drei Funktionen. Es führt den rollierenden Durchschnitt je Person automatisch mit, statt ihn quartalsweise nachzurechnen. Es warnt beim Planen, wenn eine Schicht den Zehn-Stunden-Tag, die elf Stunden Ruhezeit oder den Durchschnitt reißen würde. Und es hält Korrekturen als protokollierten Antrag fest, sodass der Nachweis bei einer Prüfung nachvollziehbar bleibt. Wie lange die Daten aufbewahrt werden müssen, erklärt der Beitrag Aufbewahrungsfristen für Arbeitszeitnachweise; wie sich flexible Modelle ohne Stempeluhr-Gefühl erfassen lassen, der Beitrag Vertrauensarbeitszeit und Zeiterfassung.

Welche Systeme diese Anforderungen abdecken, zeigt der Systemvergleich. Aplano etwa erfasst Zeiten per App, Browser oder Stempeluhr-Station, verrechnet Ist- gegen Soll-Zeit im Stundenkonto und weist im Dienstplan auf Pausen- und Ruhezeitkonflikte nach dem Arbeitszeitgesetz hin. Die Zeiterfassung ist im Pro-Tarif enthalten (4,50 € je Mitarbeiter und Monat zzgl. MwSt., Stand Juli 2026), der 14 Tage ohne Kreditkarte getestet werden kann. Nutzer bewerten das Tool auf Capterra mit 4,8 von 5 bei 113 Bewertungen und auf OMR Reviews mit 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen (Stand Juli 2026). Die Festlegung, welcher Ausgleichszeitraum im Betrieb gilt, bleibt eine betriebliche Entscheidung, die keine Software ersetzt.

Reformpläne: wöchentliche Höchstarbeitszeit (Stand September 2026)

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD aus dem Jahr 2025 kündigt an, im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat dazu am 18. Juni 2026 einen Referentenentwurf vorgelegt. Nach Auswertungen von Fachkanzleien und Verbänden sieht er im Kern vor:

Eckpunkte des Referentenentwurfs vom 18. Juni 2026 (Entwurfsstand, nicht geltendes Recht)
PunktVorgesehene Regelung
Wöchentliche statt werktägliche Grenzenur per Tarifvertrag oder auf dessen Grundlage per Betriebs- oder Dienstvereinbarung, verbunden mit besonderen Regelungen zum Gesundheitsschutz
Obergrenze bei WochenbetrachtungØ 48 Stunden, gemittelt über zwölf Kalendermonate
Gesetzlicher Ausgleichszeitraum ohne TarifvertragVerkürzung von 6 Monaten bzw. 24 Wochen auf 4 Monate bzw. 16 Wochen
Tägliche Ruhezeitbleibt bei 11 Stunden
Zeiterfassunggrundsätzlich elektronisch am Tag der Arbeitsleistung, mit Ausnahmen und Übergangsfristen nach Betriebsgröße

Der Entwurf ist kein geltendes Recht. Der Koalitionsausschuss hat sich Anfang Juli 2026 nicht auf die Reform verständigt, der Bundeskanzler hat einen Gesetzentwurf für den Herbst angekündigt. Bis Redaktionsschluss am 26. September 2026 war kein Kabinettsbeschluss bekannt; Inhalt und Zeitpunkt können sich im weiteren Verfahren ändern. Für die Planung bedeutet das: Maßgeblich bleibt § 3 ArbZG. Wer seine Auswertungen schon heute auf einen 16-Wochen-Durchschnitt ausrichtet, müsste bei Inkrafttreten der vorgesehenen Verkürzung jedoch nichts umstellen.

Kurz erklärt

Häufige Fragen

Wie viele Stunden darf man in der Woche arbeiten?
Nach § 3 ArbZG höchstens acht Stunden je Werktag. Weil Werktage Montag bis Samstag sind, ergibt das 48 Stunden pro Woche. Vorübergehend sind bis zu zehn Stunden je Werktag und damit bis zu 60 Stunden pro Woche zulässig, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Für Jugendliche gilt eine Obergrenze von 40 Stunden (§ 8 JArbSchG), für Schwangere und Stillende 8,5 Stunden täglich und 90 Stunden in der Doppelwoche (§ 4 MuSchG).
Ist die 48-Stunden-Woche in Deutschland erlaubt?
Ja. 48 Stunden pro Woche sind die Regelgrenze des Arbeitszeitgesetzes, verteilt auf sechs Werktage mit je acht Stunden. Auch eine Fünf-Tage-Woche mit knapp zehn Stunden täglich ist zulässig, solange kein Tag zehn Stunden überschreitet und Pausen sowie die elfstündige Ruhezeit eingehalten werden. Ob Beschäftigte so viel arbeiten müssen, regeln Arbeits- oder Tarifvertrag.
Darf man 60 Stunden pro Woche arbeiten?
Nur vorübergehend. Sechs Werktage mit je zehn Stunden ergeben 60 Stunden; das ist das Maximum, das § 3 ArbZG ohne Tarifvertrag zulässt. Die Mehrstunden müssen innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen so ausgeglichen werden, dass der Durchschnitt acht Stunden je Werktag, also 48 Stunden pro Woche, nicht übersteigt. Dauerhaft 60 Stunden sind unzulässig.
Werden Arbeitszeiten aus zwei Jobs zusammengerechnet?
Ja. Nach § 2 Abs. 1 ArbZG sind Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern zusammenzurechnen. Wer 40 Stunden in Vollzeit arbeitet, hat für einen Nebenjob im Regelfall noch acht Stunden pro Woche Spielraum. Die Grenze gilt für die Person, nicht für den einzelnen Vertrag.
Was ist der Unterschied zwischen deutschem Recht und der EU-Arbeitszeitrichtlinie?
Die Richtlinie 2003/88/EG begrenzt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit einschließlich Überstunden auf 48 Stunden und sieht dafür einen Bezugszeitraum von bis zu vier Monaten vor (Art. 6 und Art. 16). Das deutsche Arbeitszeitgesetz rechnet dagegen in Werktagen und erlaubt einen Ausgleich über sechs Kalendermonate oder 24 Wochen. Eine Tageshöchstgrenze kennt die Richtlinie nicht, sie verlangt aber elf Stunden tägliche Ruhezeit.
Welche Strafe droht bei Überschreitung der Höchstarbeitszeit?
Beschäftigt ein Arbeitgeber vorsätzlich oder fahrlässig über die Grenzen des § 3 ArbZG hinaus, ist das nach § 22 ArbZG eine Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße bis zu 30.000 Euro. Wird dadurch vorsätzlich die Gesundheit gefährdet oder der Verstoß beharrlich wiederholt, ist es nach § 23 ArbZG eine Straftat mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.
Wird die 48-Stunden-Woche durch eine Reform abgeschafft?
Nein, geltendes Recht ist unverändert § 3 ArbZG. Ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums vom 18. Juni 2026 sieht vor, dass Tarifparteien eine wöchentliche statt einer werktäglichen Höchstgrenze vereinbaren können, und will den Ausgleichszeitraum auf vier Monate oder 16 Wochen verkürzen. Einen Kabinettsbeschluss gab es bis Redaktionsschluss am 26. September 2026 nicht.

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Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Nachprüfbar

Quellen und Stand

  1. § 3 ArbZG – Arbeitszeit der Arbeitnehmer, § 2 ArbZG (Zusammenrechnung), § 7 ArbZG (tarifliche Abweichungen, Abs. 8), § 11 ArbZG, § 14 ArbZG, § 16 ArbZG, gesetze-im-internet.de.
  2. § 22 ArbZG – Bußgeldvorschriften und § 23 ArbZG – Strafvorschriften.
  3. Richtlinie 2003/88/EG über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung, Art. 3, 5, 6, 16, 19 und 22, EUR-Lex.
  4. § 8 JArbSchG und § 15 JArbSchG (Jugendliche); § 4 MuSchG (Schwangere und Stillende).
  5. BAG, Beschluss vom 13.09.2022 – 1 ABR 22/21 zur Pflicht, die Arbeitszeit zu erfassen.
  6. Statistisches Bundesamt: Vollzeitbeschäftigte arbeiteten 2025 im Schnitt 39,9 Wochenstunden, Pressemitteilung N035 vom 27. Mai 2026 (Mikrozensus, Erstergebnisse).
  7. Osborne Clarke: Was der Referentenentwurf des BMAS vom 18. Juni 2026 für die HR-Praxis bedeutet (Verkürzung auf vier Monate bzw. 16 Wochen).
  8. Der Paritätische: Referentenentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes – wöchentliche anstelle von werktäglicher Arbeitszeit, 23. Juni 2026.
  9. t-online: Arbeitszeitgesetz und Acht-Stunden-Tag – Merz und Bas weiter uneinig, 3. Juli 2026.
  10. Aplano: Preise, abgerufen Juli 2026; Bewertungen auf Capterra und OMR Reviews, Stand Juli 2026.

Redaktionell geprüft am 26. September 2026. Die Angaben zum Referentenentwurf beruhen auf veröffentlichten Auswertungen des Entwurfstexts; ein Kabinettsbeschluss lag bei Redaktionsschluss nicht vor. Rechtsinformationen ersetzen keine Beratung im Einzelfall; verbindlich sind Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung und Tarifvertrag.